Aus dem Vorwort zur 2. Auflage
Um diesen Fehler zu korrigieren; um zu zeigen, dass 'die' Reformpädagogik auch einen ganz undramatischen Alltag haben konnte, und zwar weit über das Jahr 1933 hinaus; deswegen habe ich ein Kapitel über Adolf Reichwein eingefügt.
Ein weiteres habe ich an das Ende gesetzt. Zwar hat die Erinnerung kein Ende. Aber wer sich erinnert, hat irgendwann den Eindruck, den der Prediger des Alten Testaments so formuliert hat: "und geschiehet nichts Neues unter der Sonne". Bei einem anderen Weisheitslehrer jener Zeit fanden und finden Pädagogen aller Zeiten immer wieder Fragen erörtert, die für ihr Geschäft grundlegend sind, erörtert in einer Weise, als wäre er unser Zeitgenosse. So zeitlos, wie ihn schon Platon stilisierte, habe ich in einem vorletzten Kapitel eine Skizze des MenschenbildnersSokrates eingefügt.
Ich habe meine Geschichte rückwärts blickend erzählt, gemäß der Kategorie der
Erinnerung.
Das hat den großen Vorzug, dass ich meinen Blickpunkt - und ich habe einen - nicht zum Telos der Geschichte stilisieren muss, sondern als einen unter allerlei anderen betrachten kann. Da war es für mich konsequent gewesen, nach der "Autorität" zu fragen, gegen die sich die "antiautoritären Pädagogik" richtete - eine noch heute weitgehend akzeptierte Antwort ist: die NS-Pädagogik. Einen Einwand hätte ich mir machen müssen, wenn ich nur meine eigene Erinnerung bemüht hätte, meine eigene Schulzeit nämlich. Ich hätte das ganz und gar falsche Bild korrigieren können, welches die Auseinandersetzung mit dem, was wir waren und demnach sein können, so sehr erleichtert und entlastet: vor 1933, das war die Zeit der Reformen; dann kam 'der' Nationalsozialismus; und nach 1945, spätestens seit den 60er Jahren setzten wir die Reformpädagogik endlich wiederum in ihr Recht. So einfach ist das nicht.
Last update 22.April 2001 Peter Menck